Nadelbinden
oder auch Nadelbinding, Naalbinding etc.
Die folgenden Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Es handelt Sich um eine Zusammenstellung meiner persönlichen, langjährigen und eigenen Erfahrung und Recherche, als Nadelbinder.
Pascal Meyer, Nadelbinderei
Was ist Nadelbinden?
Nadelbinden ist eine jahrtausendealte Handarbeitstechnik und der Vorläufer des Strickens und Häkelns. Es wird ein eigener „Stoff“ erzeugt, mittels einer Schlingennähtechnik, welche aber keine Luftmaschen beinhaltet. Dabei arbeitet man mit begrenzten Fadenlängen und verbindet diese wiederholt. Die Maschenbilder können locker und flexibel ausfallen, aber auch extrem dicht werden. Neue Fäden lassen sich durch verschiedene Methoden verbinden. Die gängigste davon ist eine Filzverbindung, dabei eignet sich reine Wolle am Besten.
Es existieren sehr viele unterschiedliche Sticharten. Man kann aber auch selbst neue kreieren und sie sogar mit moderneren Handarbeitstechniken kombinieren.
Es ist eine reine Handarbeit, welche maschinell nicht ausgeführt werden kann. Jede vorstellbare Form lässt sich erarbeiten, von praktischen Gegenständen bis zu figürlichen Kunstwerken.
Beim Nadelbinding handelt es sich wohl um die älteste bekannte Methode, bei der lediglich mit einer Nadel und Garn gearbeitet werden kann.
In Mitteleuropa stellte diese Methode bis ins späte Mittelalter praktisch alternativlos die einzige Möglichkeit dar warme Handschuhe, Socken u.ä. herzustellen, ohne ein aufwendig gewebtes Tuch zusammennähen zu müssen.
Funde von Fragmenten belegen, dass diese Technik über 9000 Jahre alt ist, also noch vor den Römern, dem alten Ägypten und Ötzi existiert hat! Vermutlich fand sie jedoch noch früher Verwendung z.B. für einfache Tragevorrichtungen, Fischreusen und andere Gebrauchsgegenstände.
In Skandinavien und bei indigenen Völkern weltweit, blieb diese Technik bis heute relativ weit verbreitet, während die in Mitteleuropa schon vor mehreren Jahrhunderten weitgehend verschwand. Viele der heute bekannten Nadelbindestiche, tragen daher nordeuropäische Namen. Sie wurden nach ihrem Fundort oder teilweise auch der Personen benannt, die das Werkstück gefunden hat.
Ein Beispiel: Im heutigen England liegt die Stadt York, eine damalige Hochburg der Wikinger. Dort fand man bei Ausgrabungen Socken aus dem 10. Jahrhundert. Heute wird dieser Stich daher York-Stich genannt. Derselbe Stich, fand sich aber auch im heutigen London, in der Coppergatestreet, daher trägt er ebenfalls den Namen Coppergate-Stich.
In Finnland begleiteten sich Nadelbinden und Stricken, bis ins späte 17. Jahrhundert. Tatsächlich wurden Arbeitshandschuhe noch in den 1950ern vorwiegend nadelgebunden.
Diese vorrangige Verwendung trifft bis heute besonders in entlegenen Regionen und bei Indigenen noch vermehrt auf. Das bestätigten mir besonders Erzählungen von derart weit gereisten Besuchern.
Die Vorteile der Nadelbindung liegen auf der Hand. Es ist viel dauerhafter, geht bei Beschädigung nicht einfach auf wie beim Stricken oder Häkeln und ist leicht zu reparieren.
Seit den 2000ern gibt es viele, die das Nadelbinden wieder praktizieren. Speziell im Living History-Bereich, aber auch als Kunsthandwerk.
Ich selbst verbinde beispielsweise historische Stiche, mit kreativen Interpretationen und modernen Kreationen.
Pascal Meyer, Nadelbinderei
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Weitere Arbeiten von Ihm findet Ihr auf Facebook und Instagram, wo ihr ihn auch kontaktieren könnt.
Oder ihr schreibt eine E-Mail an aldur1987@gmail.com
Er hat keine Webseite, aber auf mirimor.ch findet Ihr ihn auch.