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Fasnacht

Oder andernorts auch Fastnacht, Fasching, Karneval, Fassenacht, Fasnet, Fastelovend, Fasteleer und allgemein bekannt unter dem Namen „Die fünfte Jahreszeit“.

Woher kommt die Fasnacht und was bedeutet sie?

Die letzten Tage vor der Fastenzeit waren im mittelalterlichen Europa notgedrungen eine Zeit des Überflusses. Ab Aschermittwoch war der Verzehr von tierischen Produkten wie Fleisch, Eier, Butter, Käse u.ä. sowie von alkoholischen Getränken jeglicher Art bis zu Ostern verboten. Somit musste alles, was verderben konnte vorher verbraucht werden. Das führte zu ausschweifenden Festen. Zunächst war es nur der Dienstag vor dem Aschermittwoch. Ab dem 14. Jahrhundert, als die Fasnacht populärer wurde, dauerten die Festivitäten bis zu einer Woche.

Und wo Feste gefeiert werden, ist der Schalk dabei. Der Narr, der sich aus dem Fenster lehnt und mit weingeistlicher Zunge spricht, was nicht gesprochen werden darf, was von der Obrigkeit verboten und geahndet ist. Er verkleidet sich als Widersacher des kleinen Mannes, übertreibt und bringt so den Unmut des Volkes, getarnt als Witz auf den Tisch.

Im Mittelalter genoss der Narr an den Ritterhöfen „Narrenfreiheit“, die es ihm erlaubte ungestraft Kritik an den bestehenden Strukturen und sogar am Adel zu üben. Der ursprüngliche Narr entstand aber als eine Figur, die keinen festen Platz in der Gesellschaft hatte, die sich keinerlei Normen verpflichtet fühlt und aus dem System fiel.

Die fünfte Jahreszeit verkörpert dies sehr gut. Die Fasnacht hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt. Aber ausgelassen feiern und aus dem starren Rahmen der Gesellschaft ausbrechen, das hat wohl schon früh dazu gehört, zumindest beim niederen Stand. Durch das Verkleiden als Dämonisches Wesen oder Geistliche Person, konnte man sogar für kurze Zeit der Kirche trotzen. Auch Adlige waren wohl ein beliebtes Ziel und heute sind es Politiker und Wirtschaftsmagnate, die in Form von thematisierten Festwagen, Mottos und Schnitzelbänken aufs Korn genommen werden.

Die mittelalterliche Fasnacht, die heutzutage im deutschsprachigen Raum grösstenteils zelebriert wird, ist also von der katholischen Kirche geprägt. Man geht davon aus, dass die Kirche die Zeit vor der österlichen Fastenzeit, in der ausschweifende Feste gefeiert wurden, als lehrreiches Beispiel toleriert hat, um zu zeigen, dass die „Fasnacht“ wie auch der Mensch vergänglich ist und letztlich nur Gott allein Bestand hat. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fasnacht enden, um die unumgängliche Rückkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während der Fastnacht schaute die Kirche bei gotteslästernden Szenen weg. Feierte man aber am Aschermittwoch weiter, wurde dies streng verfolgt.

Die erste schriftliche Erwähnung der „Fastnaht“ findet sich im Versroman „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach um 1206. Dort heisst es, dass „die koufwip zu Tolenstein an der fasnaht nie baz gestriten“ hätten.

Von ca. 1200 bis 1700 gab es im deutschsprachigen Raum in diversen städtischen Verordnungen Einträge, dass der Mummenschanz, die Mummerei, immer wieder verboten und die Verbote kurz darauf wieder aufgehoben wurden. Das Dafür und Dawider hatte verschiedene Gründe wie z.B. kirchlicher und politischer Einfluss, überbordende Ausschweifungen der Bevölkerung, Verweigerung der Verordnungen vom Volk, Kriege und sicher auch wirtschaftliche Aspekte.

Der Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat (1545 – 1614) hat zahlreiche solcher Verbote dokumentiert. Wie zum Beispiel aus dem Jahre 1412, als jedem, der „in böggewys, ja in tüffels wys“ oder in anderen Verkleidungen sich auf der Strasse zeigen sollte, angedroht worden ist, dass man ihn „in den turm“ werfen werde.

Grundlos waren solche behördlichen Verbote nicht. Die Fasnacht artete häufig aus und konnte durchaus auch blutig enden! Als Beispiel die „bös Fasnacht“ in Basel von 1376.

Mit der Reformation 1517 wurde in den reformierten Regionen die Fastenzeit aufgehoben und die Fasnacht wurde als päpstlicher Aberglaube und das närrische Treiben als Völlerei abgetan und daher abgeschafft.
Fasnachtsfeste in den reformierten Städten wie z.B. Bern, Zürich und Winterthur sind überwiegend neue Brauchtümer des 20. Jahrhunderts.
Die Ausnahme bildet hier Basel. Dort konnte die Reformation die Fasnacht nicht vertreiben. Vielleicht hatte es wirtschaftliche Gründe, oder aber, der Brauch war so stark verwurzelt, dass sich die Basler gegen die Abschaffung durch die Obrigkeit standhaft gewehrt hatten.

Wann wird Fasnacht gefeiert?

In den meisten Regionen beginnt die Fasnacht am 6. Januar, dem Dreikönigstag.

Bei der schwäbisch-alemannischen Fasnacht zum Beispiel werden dort Häs (die Gewänder) und Larven aus den Schränken geholt und entstaubt.

Seit dem 19. Jahrhundert findet in einigen Gegenden zusätzlich am 11.11 um 11 Uhr 11 die offizielle Eröffnung statt. Dort wird beispielsweise der Stadtschlüssel vom Regierungsrat an die Narrengesellschaft übergeben. Bis nach Neujahr finden jedoch keine weiteren Aktivitäten statt.

Die eigentliche Fasnachtswoche beginnt mit dem Schmutzigen Donnerstag eine Woche vor dem Aschermittwoch. Wobei der Begriff im schwäbisch-alemannischen „Schmotziger Donnerstag“ heisst und nichts mit Schmutz zu tun hat, sondern vom Wort „Schmalz“ herrührt.

Die Fastenzeit vor Ostern dauerte 40 Tage am Stück. Dieses Fastengebot wurde 1091 gelockert. Fortan durfte man an den Sonntagen die Fastenzeit unterbrechen. Da aber weiterhin 40 Tage gefastet werden musste, wurde die Zeit vom ersten Fastentag bis zum Ostersonntag um 6 Tage verlängert. Die Fastenzeit beginnt also am Aschermittwoch 46 Tage vor dem Ostersonntag und somit beschliesst dieser Tag das Ende der Fasnachtszeit.

Trotz dieser Reform blieb das alte Datum in einigen ländlichen Regionen bestehen. Diese Fasnacht wird „Die Alte Fasnacht“, „Bauernfasnacht“ oder auf Alemannisch „Buurefasnacht“ genannt. Hier endet die Fasnacht erst am Sonntag nach Aschermittwoch, dem Funkensonntag.
Beispiele für die alte Fasnacht sind die „Funkensonntage“, oder der Termin der Basler Fasnacht.

Aus der Tatsache, dass die Alte Fasnacht nach der Herrenfasnacht (vom Schmutzigen Donnerstag bis Aschermittwoch) kommt, erklärt sich wohl auch die humoristische alemannische Redewendung, dass jemand „wie die alte Fasnacht hinterdrein komme“, was nichts anderes bedeutet, als dass jemand ziemlich oder sogar hoffnungslos verspätet ist.

Als „späteste Fasnacht der Welt“ gilt die Groppenfasnacht in Ermatingen am Schweizer Südufer des Untersees am Bodensee. Sie findet am „Sonntag Laetare“, drei Wochen vor Ostern statt. 2015 feierte sie ihr 600-jähriges Bestehen und ist nach eigener Aussage die traditionsreichste Fasnacht der Ostschweiz.

Die schwäbisch-alemannische Fasnacht

Als schwäbisch-alemannische Fastnacht wird die Fastnacht im südwestdeutschen Raum und Teilen der Nordost- und Zentralschweiz bezeichnet.

Charakteristisch ist die Vermummung der Teilnehmer mit „Larven“ (Holzmasken). Die Häs (Verkleidung) wird jedoch nicht von Jahr zu Jahr gewechselt, sondern immer beibehalten. In manchen Gegenden wird sie sogar von Generation zu Generation weitergegeben. Bekannte Figuren sind Wilde Leute, Narren, Tier- und Sagengestalten und neueren Datums auch Hexen.

Luzerner Fasnacht

Di Rüüdigi Lozärner Fasnacht

Die Fasnacht in Luzern beginnt mit dem Urknall am Schmutzigen Donnerstag und endet spät am Güdis-Dienstag, am Tag vor dem Aschermittwoch.

Die Höhepunkte sind der Urknall, der Fritschi-Umzug am Schmutzigen Donnerstag, der Wey-Umzug am Güdis-Montag und der Monstercorso am Güdis-Dienstag.

Im Jahre 2023 hat die Luzerner Fasnacht eine Rekordbesucherzahl von 314’000 verzeichnet und ist somit die grösste jährlich stattfindende Veranstaltung der Region Luzern.

Organisiert wird sie vom Luzerner Fasnachtskomitée. Dieses setzt sich zusammen aus der Wey Zunft, der Zunft zu Safran, der Fidelitas Lucernensis, der Maskenliebhaber-Gesellschaft, sowie vom Dachbervand der Guggenmusigen „Die Vereinigte“.

 

 

 

 

(Hier fehlen uns noch Bilder von der Luzerner Fasnacht. Wer uns seine eigenen Fotos zur Verfügung stellen möchte, der darf uns gerne kontaktieren. info@allerley.ch )

Basler Fasnacht

Di drei scheenschte Dääg

Die Basler Fasnacht beginnt am Montag nach dem Aschermittwoch um 4 Uhr morgens mit dem Morgenstreich und dauert drei Tage lang.

Am Montag- und Mittwochnachmittag finden die Cortèges (Umzüge der Cliquen bzw. Fasnachtsgruppen) durch die Innenstadt statt. Dabei gibt es keinen konkreten Ablaufplan. Jede Clique fängt an einem anderen Ort an. Schliesslich ist auch in Basel die Fasnacht unter anderem ein Zeichen gegen die strenge Ordung.

Im Gegensatz zu der Fasnacht in Luzern verkleiden sich die Zuschauer nicht. Das ist sogar verpönt. Wer dabei sein will, der muss sich einer Cliqué anschliessen.

2017 wurde die Basler Fasnacht auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Laut der offiziellen Seite des Basler Fasnachts Comités geht der Ursprung auf keltische und germanische Bräuche zurück und bezieht sich auf das Austreiben des Winters. Doch auch die Zünfte, die mittelalterlichen Ritterturniere und die Feste vor der kirchlichen Fastenzeit haben die Basler Fasnacht geprägt.

Die älteste Erwähnung gilt als die „bös Fasnacht“ von 1376. Am Tag vor Aschermittwoch fand auf dem Münsterplatz ein Turnier des Herzogs von Österreich statt, bei dem sich die Bürgerinnen und Bürger von den Rittern provozieren liessen. Dabei kamen vier Edelsleute ums Leben.

Wer mehr erfahren will, der ist gut bedient mit der offiziellen Seite des Basler Fasnachts Comités.

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Fazit

Fasnacht wird vielerorts völlig unterschiedlich gefeiert und ist im allgemeinen ein fröhliches und ausgelassenes Fest, das aber mitunter sehr ernst genommen wird. Schlussendlich geht es um Traditionen. Egal, ob diese erst ein paar Jahrzehnte alt sind, oder schon hunderte von Jahren praktiziert werden und ob man den Ursprung der einzelnen Riten noch kennt, es hat alles seine Berechtigung und man kann sich einfach nur daran erfreuen!

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